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Teeniemutter


Als ich meinen Sohn bekommen habe war ich gerade 17, es war damals oft nicht leicht für mich und ich habe mich mit ihm nur selten vor die Tür getraut, heute bin ich mir nicht mehr sicher ob es nur meine Angst davor war was die Leute denken könnten oder ob es tatsächlich negativ gesehen wurde. Wahrscheinlich von beidem etwas.
Immer wieder kommt es vor das mich jemand fragt ob Marc ein Wunschkind war. Was ist das denn für eine Frage? Werden das auch Mütter gefragt die nicht so jung sind? Anfangs war ich mit dieser Frage etwas überfordert, heute nicht mehr denn eigentlich ist die Antwort ganz einfach: „Marc war nicht geplant, aber immer gewünscht!“

 

 

Vom ersten Moment an, als ich sein Herz im Ultraschall schlagen gesehen habe, habe ich ihn über alles geliebt. Jahre nach Marcs Geburt habe ich erfahren das meine Mutter gefragt wurde ob ich das Kind denn vielleicht nicht bekommen wolle. Ich bin froh das mich das niemand gefragt hat, denn auch wenn das für mich nicht mal eine Sekunde eine Option gewesen ist hätte mich wohl allein die Frage ziemlich runtergezogen. Gott sei Dank hat mir in meiner Familie nie jemand das Gefühl gegeben das irgendetwas daran falsch war.
In den letzten 10 Jahren bin ich einigen Vorurteilen begegnet, aber auch vielen guten Menschen und Unterstützern. Ich frage mich immer wieder warum manche Menschen sich so leicht damit tun gerade junge Mütter zu denunzieren. Seien wir doch mal ehrlich, die meisten haben mit 17 oder 18 das „Babys machen“ schon geübt. Und einige denken jetzt vielleicht „Ja klar, aber ich habe halt aufgepasst“ und nehmen sich vielleicht deshalb das Recht heraus zu urteilen. Aber kann jeder behaupten überall immer aufgepasst zu haben, keine Fehler gemacht oder Entscheidungen getroffen zu haben die für die Gesellschaft als nicht normal gelten? Es ist doch auch vollkommen egal ob eine so frühe Schwangerschaft geplant war oder nicht, entscheidend ist doch zu der Entscheidung für das Baby zu stehen. Und eins haben wohl alle die meisten Frauen die „Teeniemütter“ sind oder waren gemeinsam; sie arbeiten hart und kämpfen wie Löwinnen für ihre Kinder!
Ich schreibe diesen Post nicht, weil ich etwas schönreden möchte, ich möchte lediglich bewirken das man darüber nachdenkt das jede „Teeniemutter“ ihr eigenes Schicksal hat und das man auf keinen Fall alle über einen Kamm scheren darf. Der Eindruck sie seien alle asozial entsteht schnell dadurch, weil die wenigen Fälle auf die das zutrifft einfach sehr viel mediale Aufmerksamkeit bekommen (z.B. in gewissen TV Formaten). Natürlich ist absolut nicht alles rosig und absolut nicht alles schön! Ich war nie jemand der viel weg ging oder viel Zeit für sich selbst beanspruchte und vor der Geburt meines Sohnes war mir auch deshalb absolut nicht klar wie groß dennoch die Einschnitte in mein Leben sein würden. Jung Mutter zu werden bedeutet vor allem immer doppelt so hart zu arbeiten wie andere! Während gleichaltrige sich nur auf Schule oder Ausbildung konzentrieren und ältere Mütter sich nur auf ihre neue Familiensituation einstellen müssen, müssen Teeniemütter beides gleichzeitig! Und das ist nicht leicht. Es bedeutet meist kein angespartes zu haben, von Anfang an jeden Cent des eigenen Geldes eher für Notwendiges auszugeben als für schönes oder eigene Wünsche, und so bedeutet es auch oft nicht die Wahl zu haben, zu nehmen was man bekommt und sich IMMER einzuschränken um seinem Kind einen möglichst guten Lebensstandard zu gewährleisten! Während ich das schreibe kommen mir die Tränen, denn das alles ist mir zu jedem Zeitpunkt bewusst, ich blende es nur meistens aus. Mein Sohn ging früh in die KiTa, die Eingewöhnung machte meine Mama mit ihm, weil ich arbeiten musste. Genauso machte er seinen ersten Urlaub mit meinen Eltern, weil ich arbeiten musste. Ich arbeitete ab seinem 11 Lebensmonat Vollzeit, 40 Stunden die Woche plus ca. 1-2 Stunden Fahrzeit am Tag. Teilzeit war nicht möglich, zum einen, weil das in den wenigsten Ausbildungen eine Option ist und zum anderen, weil das Geld einfach dringend nötig war, ich wollte nie das jemand anders für mein Kind aufkommen muss. Ich war so wenig da und konnte ihm trotzdem so wenig bieten! Natürlich hat es auch Vorteile eine junge Mutter zu sein, aber ich bitte alle Mädels die bewusst darüber nachdenken so früh Mutter werden zu wollen bedenkt das alles! Selbst wenn euch materielle Werte egal sind, es geht dabei nicht um euch sondern um euer Kind und irgendwann möchte es auf Schulausflüge, ein bestimmtes Spielzeug oder einfach nur die gleichen coolen Schuhe die alle seine Freunde haben und es tut sehr weh das immer wieder nicht bieten zu können.
Ich fand es nie schlimm nicht feiern zu gehen oder so, dafür war ich ohnehin nie der Typ. Viel schwieriger ist und war immer etwas anderes; Freundinnen haben entweder ein ähnliches Alter oder eine ähnliche Lebenssituation. Ich habe tolle Freundinnen, aber die Themen die uns beschäftigen unterscheiden sich dadurch fast immer. Denn selbst wenn die Freundinnen in meinem Alter so langsam eigene Kinder bekommen, so sind deren Themen oft das trocken werden, der Schnuller oder der Kindergarten während ich versuche meinem Sohn alles mitzugeben was er braucht um auf der weiterführenden Schule gut zurecht zu kommen.
Die Beziehung zu seinem Vater hat nicht gehalten. Wir haben uns getrennt als der Kleine ungefähr ein Jahr alt war. Ob dies die richtige Entscheidung war war ich mir damals nicht sicher, aber ich dachte mir lieber so früh als später, wenn er sich bereits daran gewöhnt hat dass wir ein Paar sind. Die Entscheidung war damals nicht leicht doch es war genau die richtige Entscheidung, wir waren einfach zu jung. Während der Schwangerschaft war er immer für mich da, hat mir Mut und Kraft geschenkt und mich unterstützt, nur als Familie haben wir halt nicht funktioniert. Auch wenn unser Kontakt heute nur noch sporadisch ist, bin ich ihm sehr dankbar, denn dieses Kind ist das wertvollste was mir jemals jemand mitgegeben hat. Mir ist es sehr wichtig das zu sagen, denn gerade nach einer Trennung gibt es zu viele Elternteile die schlecht über den anderen reden. Auch wenn ich natürlich das ein oder andere Mal schlecht gedacht habe, habe ich nie solche Dinge meinem Kind gegenüber geäußert. Ich wünsche allen getrennten Eltern das sie irgendwann mit der Situation ihren Frieden finden. Bei allem Streit der aus Beziehungen entstehen kann dürfen wir nicht vergessen um wen es am Ende geht, es sind unsere Kinder die wir lieben und unsere Kinder die oft am meisten leiden!